Spätestens seit ich selbst gegenüber eines Bruno Taut-Baus wohne und sich noch einige weitere in der Nachbarschaft entdecken lassen, wandle ich gerne auf den Schaffens-Spuren des Architekten und Stadtplaners oder freue mich, wenn ich bei Streifzügen durch die Stadt zufällig auf seine Werke stoße. Nach dem kurzen Besuch der zwischen 1925 und 1933 entstandenen Britzer Hufeisensiedlung im April in Anschluss an die erste Etappe des Mauerradwegs wollte ich mir nun endlich einmal die sogenannte »Tuschkastensiedlung« anschauen, die schon länger auf meiner Ausflugs-Liste wartete.

Die 1913-16 als Gartenstadt Falkenberg nach englischem Vorbild entstandene Wohnsiedlung war eins der ersten großen Projekte des 1980 in Königsberg geborenen Architekten, der sich hier vor allem künstlerisch auslebte, während seine späteren Siedlungen eher sozialen Aspekten folgten. Als Gegensatz zu den tristen Mietskasernen der Metropole sollte die Gartenstadt am Rand der Großstadt den Bewohnern unterschiedlichster Klassen ein harmonisches, genossenschaftliches Zusammenleben zwischen urbaner und ländlicher Lebensform in 149 Wohnungen mit viel Licht und Freiraum ermöglichen. Mit einer klaren Linienführung und der spitznamengebenden Farbgestaltung sorgte der radikal moderne, schnörkellose Baustil mit den dafür umso knalligeren Farben im Kaiserreich kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges für Furore. Die in Altglienicke (Bezirk Treptow-Köpenick) im alten Stadtteil Bohnsdorf, im äußersten Südosten Berlins nahe dem Flughafen Schönefeld gelegene Siedlung sah sich von Zeitgenossen allerlei Spott und Unverständnis ausgesetzt, wurde jedoch 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und lockt hundert Jahre später deutlich mehr Bewunderer als Verächter an. Freunde von tristem Grau und einheitlichen Wohnblöcken bleiben lieber woanders.

Zur Tuschkastensiedlung kommt man am besten über den S-Bahnhof Grünau, der auch schon einen genauen Blick wert ist




Am Eingang des Gartenstadtwegs wartet eine Info-Säule


Modell der die Straßen Gartenstadtweg, Am Falkenberg und Akazienhof umfassenden Siedlung










Gedenktafel für Beteiligung an Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920