Gedenken an die Berliner Mauer gibt es nicht nur am Checkpoint Charlie, Brandenburger Tor oder in der Bernauer Straße. Fast täglich passiere oder überquere ich im Berliner Alltagsgewusel mindestens eine Stelle, an der früher mal die Mauer stand. Besonders mit etwas Geschwindigkeit auf dem Fahrrad, zum Beispiel am Bethaniendamm, dem Lohmühlenplatz oder auf der Wilhelmstraße, löst es in mir oft ein beklemmendes Gefühl aus, mir vorzustellen, dass ich vor noch gar nicht so langer Zeit an dieser Stelle gegen eine Wand oder einen Grenzzaun gefahren bzw. nicht weiter gekommen und entweder in West- oder Ost-Berlin gehalten worden wäre. Zwar übte der Inselstatus der alten Halbstadt West-Berlin auch immer eine gewisse Faszination auf mich aus, die durch den Mauerfall 1989 ja glücklicherweise mit einem Happy Ending garniert wurde, dennoch sollte man nie Ursachen, Umstände und den Verlauf der Geschichte aus dem Blick verlieren. Denn während andere Inseln von Wasser umgeben sind, war West-Berlin von 1961 bis 1989 eben von einer ca. 160 km langen militärisch gesicherten Grenzbefestigung aus Stahlbeton hermetisch vom DDR-Umland abgeriegelt. DDR-Grenzsoldaten schossen auf Flüchtende, in den 28 Jahren ihres Bestehens gab es an der Berliner Mauer nach jüngsten Schätzungen bis zu 245 Todesopfer.
Nach längerem Bemühen von u.a. Radverbänden wie dem ADFC und dem Grünen-Politiker Michael Cramer werden seit 2001 die gut 100 Meilen rund um das alte West-Berlin auf den ehemaligen Zoll- und Kolonnenweg entlang des Verlaufs der DDR-Grenzanlagen unter dem Namen „Mauerweg“ als Rad- und Wanderweg ausgezeichnet und ermöglichen das Wandeln und Radeln auf den Spuren der noch gar nicht so alten Vergangenheit. Die perfekte Freizeitaktivität also für radfahrende Zeithistoriker, aber auch für alle anderen Ein- und Anwohner wie Touristen, die gerne radfahren, sich ein bisschen für die jüngere Geschichte interessieren und gerade zufällig in Berlin sind. Für den Anfang des systematischen Abfahrens entschieden wir uns im Aprilfür den uns eher unbekannten außerstädtischen Streckenabschnitt im Süden mit dem für uns gut erreichbaren Ausgangspunkt S-Bahnhof Wannsee und folgten der Südroute in Richtung Osten.

Hier einige bildliche Eindrücke und Informationen von unterwegs:

Statt drüber führte uns der Mauerweg am Fuß der Glienicker Brücke auf der Berliner Seite wieder Richtung Wann- bzw. Griebnitzsee, Babelsberg und schließlich Kleinmachnow und Teltow führte.




Vorbei an hübschen Häuschen.
Über den Teltow-Kanal(?)
Durch’s Villenviertel. Hier wohnte Stalin während der Wannsee-Konferenz.
Eine der 29 Gedenksäulen für Mauertote, hier für C. Buttkus bei Kleinmachnow.
Wer jemals mit dem Auto, Fernbus oder Umzugswagen über die Autobahn A 115 oder vor 1989 auf der Transitautobahn nach (West-)Berlin gefahren ist, hat garantiert den Grenzkontrollpunkt Dreilinden-Drewitz respektive Checkpoint Bravo passiert, der heute nur noch vom Zoll genutzt wird. Auf dem Mauerweg sieht man ihn mal aus einer anderen Perspektive.


In Zehlendorf wurde versucht, einen Fluchttunnel zu graben.
Pause zwischendurch

Gedenksäule für H.J. Starrost
Entlang des Mauerwegs führt auch die „TV-Asahi-Kirschblütenallee“ in Teltow Seehof/Sigridshorst, die durch einen Spendenaufruf von der japanischen TV Asahi Group anlässlich des Mauerfalls auf dem ehemaligen Grenzstreifen als Geschenk der Völkerfreundschaft gepflanzt wurde.



Kurz vor der vollen Blüte und in diesem Jahr etwas spät für’s Hanami-Fest Ende April.
Immer wieder rein und raus aus Berlin – und aus Waldblick.
Am Denkmal am früheren Grenzübergang Teltow-Fläming/Mahlow an der B96 von der Bildhauerin Kerstin Becke am südöstlichsten Zipfel von Lichtenrade biegt der Mauerweg nach Norden. Wir haben genug Eindrücke für heute und fahren über den Buckower und Britzer Damm Richtung Neukölln weiter und beenden unsere erste vorsätzliche Etappe Mauerweg.
Wir kamen zwar insgesamt gut voran, die Strecke ist jedoch leider nicht ganz lückenlos so einfach als Radweg nutzbar und durch die eher dezent gehaltenen kleinen grauen Hinweisschilder, die einem oft erst auffallen, wenn man schon dran vorbei gerauscht ist, gerade auf diesem Abschnitt – anders als im Stadtkern – mit viel Grün, Gabelungen und unterschiedlichen Geländearten nicht immer ganz eindeutig und übersichtlich.

Mehr Informationen zum Mauerweg gibt es auch unter http://radreise-wiki.de/Berliner_Mauerweg. Der Verlauf des Wegs lässt sich übrigens auch ganz praktisch über die Fahrrad-App BBBike aufrufen.